Der “Goldene Bla”

Der “Golden Bla” ist ein Orden für sprachgestalterische Höchstleistungen auf niederem Sinnniveau.

Die Träger dieses Ordens werden in regelmäßigen Abständen von einem Volk von Marionetten gewählt. Zur Wahl stehen ausschließlich Mitglieder des „Verbandes für die Pflege leerer Sprachgewalt und gezielter sprachlicher Täuschung“ und solche, die mit Mitglieder bereits bestens verbunden sind und von eben diesen vorgeschlagen werden.

Dem Verband gehören zum jetzigen Zeitpunkt 620 Personen an. Der Verband zerfällt in unterschiedliche Abteilungen, um deren Gunst von den Verbandsmitgliedern entweder um jeden Preis geworben wird oder deren Gebaren stets intensiv auf Fehltritte untersucht wird, um die eigenen wortstark zu kaschieren.

Die Wahl zum Träger des “Goldenen Blas” wird in einem verwirrenden, oberflächlich demokratischen Prozess getroffen. Um die Wahlen günstig zu beeinflussen, engagieren die verschiedenen Verbandsabteilungen stets brillante Puppenspieler, die sich darauf verstehen die Massen an Marionetten geschickt in die Richtung, für die sie bezahlt werden, zu lenken.

Der “Goldene Bla” zeichnet sich durch seine hohe Flexibilität aus: Er ist weder an besondere Fähigkeiten noch konkrete Aussagen gebunden und kann, wann immer es ein Mitglied des Verbandes für angebracht hält, in einem ungewöhnlich unbürokratischen Verfahren initiiert oder auch entzogen werden. Wer warum und wie oft einen “Goldenen Bla” verliehen bekam,  ist unerheblich.

Wichtig ist lediglich, dass man vom  Erarbeiten der Sprachhülsen, die für einen “Goldenen Bla” von Relvanz sind, überdurchschnittlich gut leben kann, einen „Golden Bla“ verliehen bekommt und letztlich, dass man die Verleihung desselben gebührend feiert – da sonst die Mitgliedschaft im Verband nicht möglich ist. Wenn die aktive Karriere im Verband beendet ist, kann man seine erworbenen Fähigkeiten jederzeit frei von Bedenken im Topmanagement jeglicher Branche einbringen oder als offensichtlicher Experte durch Bespaßungzentren für Marionetten tingeln und dabei unglaublich wichtig wirken.

In Rahmen einer groß aufgestellten Imagekamapagne Ende der 1940ger Jahre hat man beschlossen, dass man, um Volksnähe zu simulieren und wache Geister einzulullen, den Verband und seinen Orden umbenennt: In „Deutscher Bundestag“ und „Bundestagsmandat“.

Nach Expertenmeinungen könnte heute, in 2011, einer neuerliche Imagekampagne nicht schaden.

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